Die Tonangel

Hallo zusammen!

Die Angel ist zunächst mal vor allem eine lange Stange, um das Mikro über oder an die Darsteller heran zu bekommen und kann natürlich einfach aus einem Besenstiel gebaut werden. Professionelle Tonangeln sind dagegen aus leichtem Aluminium oder Carbon, können in der Länge verstellt werden, sind extra isoliert und haben einen aus diversen Gründen wie Halt und Isolation praktischen Griff aus Schaumstoff.
Der Nachteil ist natürlich, dass man wieder mal mehr Mitarbeiter braucht und auch die Spontanität am Set durch das zusätzliche, sperrige Gerät eher gemindert wird. Dafür profitiert eben der Ton. Gehen wir das alles aber noch mal im Detail durch.

Mit einer Ton-Angel am Set von "Verfluchte Eifel"

Mit einer Ton-Angel am Set von „Verfluchte Eifel“

Worauf zu achten ist
Es gibt drei Faktoren, die eine Rolle spielen, wenn man festlegt, wo die Tonangeln letztlich hingehalten werden soll. Der erste Punkt ist der Winkel – klassisch, das kennt man auch zum Beispiel von Set-Aufnahmen oder auch von TV-Aufnahmen in der Innenstadt, wird von schräg oben aufgenommen. Das ist kein Zufall. Manchmal sieht man auch, dass bei Filmen von unten geangelt wird, doch sollte man eines nie vergessen: Es geht ja am Ende darum, eine möglichst störungsfreie Aufnahme zu erhalten. Richtet man das Mikro nach unten, findet sich in direkter Linie der Aufnahme vermutlich neben dem Sprecher nur noch irgendwann der Boden. Zeigt das Mikro hingegen hinauf in den Himmel, so sind Vögel, rauschende Blätter und Flugzeuge allesamt Gefahren einer sauberen Aufnahme. Steht das Mikro parallel zum Boden, so sind zumindest Straßen und Schienenstrecken in der Ferne noch ein Problem. Ganz pragmatisch gesprochen sei aber gewarnt, dass es mit der Zeit durchaus in die Arme geht, wenn die Tonangel von Hand gehalten wird; insbesondere, wenn das alles über dem Kopf passiert.
Der zweite Faktor ist schlicht die Sichtbarkeit. Gerade alte B-Filme, aber letztlich auch manche eigentlich teure Filmproduktion hat es nicht vermeiden können und irgendwann lugt dann doch am oberen Rand kurz das Mikro ins Bild. Diese Fehler sind seltener geworden, besonders wo es heute leichter ist, etwas in der Art digital zu korrigieren, aber man erspart sich Leid und Mühen, wenn man von Anfang an darauf achtet. Zu beachten ist übrigens auch, dass oft die Displays der Kameras nicht 100% des Bereichs zeigen, der auch gefilmt wird. Nehmt das Mikro also nicht nur soweit zurück, dass es gerade eben so nicht im Bild ist, sondern gebt ihm dann noch mal ein paar weitere Zentimeter Abstand.
Aber Sichtbarkeit endet nicht alleine mit den Bildgrenzen – Reflexionen sind die zweite klassische Falle für Ton-Angeln. Das ist dann ein Punkt, an dem sogar „Reservoir Dogs – Wilde Hunde“ und „Twilight – Biss zum Morgengrauen“ was gemeinsam haben (und das will ja schon was heißen!), denn beide präsentieren stolz ihre Tonangeln in der Reflexion einer Autoscheibe.
Faktor Nummer 3 hat auch etwas mit Sichtbarkeit zu tun, jedoch nur indirekt: Mikros werfen Schatten. Der vielleicht legendärste Mikrofonschatten könnte in Ed Woods „Plan 9 aus dem Weltall“ zu sehen sein, in dem in der „Cockpitszene“ die gesamt Zeit, völlig ungeschönt, zwischen den Köpfen der beiden Darsteller der immense Schatten des Aufnahme-Mikrofons thront. Doch auch Filme, die insgesamt weniger Gesamtkatastrophen sind als „Plan 9“ sind schon in diese Falle getappt. Also, bevor ihr die Angel in die Höhe hebt, fragt euch wo die Sonne steht oder wo ihr die Scheinwerfer aufgestellt habt. Und weist den Mann an der Tonangel vielleicht auch direkt darauf hin, dass er da am Besten mitdenkt. Das schadet nie.

Tonangeln im Eigenbau
Eine richtig professionelle Tonangel kostet, wie immer, natürlich ordentlich Geld. Aber was man effektiv braucht ist ja nichts weiter als eine Stange mit einem Mikro am Ende. Vielleicht noch mit einem Windschutz versehen. Das kann man mit einem einfachen Mikrofon erledigen, das man mit Hingabe und Klebeband an einen Besen wickelt, oder aber man geht eine Art Mittelweg: Wenn das Mikrofon wahlweise eine Schraubvorrichtung oder eine Halterung für einen Blitzschuh besitzt, kann man meist ein passendes Gegenstück im Baumarkt oder Fotobedarf ganz günstig auftreiben, was man dann wiederum mit einer Schraube oder (starkem) Kleber an der Stange befestigen kann. Das ist insgesamt bequemer und schonender für das Mikro und sieht zudem etwas professioneller aus.
Ein weiterer Kompromiss kann ein Monopod sein, sofern das Mikrofon auf eine normale Stativ-Wechselplatte geschraubt werden kann.
Was man dann allerdings noch beachten muss, ist die Kabelführung. Mikrofonkabel sind immer eine mögliche Störquelle, denn Stöße gegen das Kabel können beispielsweise als Fehlsignal ihren Weg in die Aufnahme finden. Auch ein minderwertiges Kabel, das über eine zu große Strecke geführt wird, wird sich bei der Aufnahme vermutlich mit Rauschen bedanken. Die einzigen Wege daran vorbei sind gute (das heißt abgeschirmte, damit aber auch teurere) Kabel, die möglichst sicher und ohne zu viel Spiel die Angel entlanggeführt werden. Kabelbinder können hier Wunder wirken.
Eine Alternative dazu ist natürlich auch ein sogenanntes mobiles Aufnahmegerät, also ein Gerät, das für sich alleine den Ton aufzeichnen kann und daher keine Verbindung zur Kamera benötigt. Auf solche Geräte kommen wir hier in ein oder zwei Wochen auch noch zu sprechen.

Viele Grüße,
Thomas

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