Archiv der Kategorie: Beim Dreh

[Fremdtipp] Wenn John Wick auf Nerf-Waffen trifft … lernen wir alle was dazu

Hallo zusammen!

Unser Xoro-Darsteller Michael machte mich gestern auf ein unfassbar cooles Video aufmerksam:

Zum einen ist es einfach ein sehr sehenswert gemachter Film. Nicht nur weil John Wick und Nerf beide ziemlich awesome sind, sondern einfach auch, weil es eine kernige Idee, gut umgesetzt, flott inszeniert und kreativ gefilmt ist.

Aber ich wollte es hier noch aus einem anderen Grund teilen: Es ist ein großartiges Lehrstück. Gut gemachte Actionszenen gibt es ja viele; wenn auch wenige so gut gemacht sind wie die in John Wick. Aber was dieser Film hier bewerkstelligt, darf man nicht unterschätzen: Er bricht die optische Gewohnheit auf.

Nerf-Waffen sind bunt. Quietschebunt sogar. Das bedeutet, sie fallen uns ins Auge. Wir sind oftmals so an die Prämissen und Regeln von Actionszenen gewöhnt, dass es gar nicht mehr auffällt, was genau dort passiert. Wir kennen die Film- und Bildsprache.
Wenn nun aber plötzlich alle relevanten Objekte Signalfarben haben, ändert sich das. Schaut euch beispielsweise mal diese Sequenz aus dem verlinkten Film an (wer darauf klickt, bekommt sie in größer):

Der Protagonist tackelt einen Gegner, feuert über dessen Schulter und greift dabei bereits nach dessen Magazin. Dann, in der Rückwärtsbewegung, zieht er es aus der gegnerischen Waffe, wirft sein eigenes Magazin aus, lädt die feindlichen Nerf-Bolzen ein und wird dann, im letzten Bild, seinen Widersacher mit dessen eigener Munition er- bzw. beschießen.

Das ist eine ziemlich coole Choreographie, aber so richtig augenfällig wird sie alleine durch die Nerf-Waffen.
Und darum gewissermaßen eine „Hausaufgabe“, wenn ihr wollt: Schaut euch den oben verlinkten Film einfach noch mal an, und diesmal, schaut wie was inszeniert wird. Wann sich die Kamera bewegt, wohin und warum. Was enthüllt wird, was verdeckt wird.
Sicher, das könnt ihr auch mit jeder anderen Actionszene machen.

Aber kaum eine macht es euch dabei so leicht wie diese hier.

Viele Grüße,
Thomas

Externe Tonquellen

Hallo zusammen!

Eine letzte Alternative bleibt noch anzusprechen, auch wenn wir sie in anderem Kontext hier schon im Blog hatten: Die externe Lösung. War der Bereich mobiler Aufnahmegeräte vor einigen Jahren noch ein Feld, das vollständig von unbezahlbaren Profi-Geräten dominiert wurde, so gibt es da mittlerweile eine Vielzahl mehr oder weniger eleganter Lösungen.
Wir haben beispielsweise gute Erfahrungen mit dem Zoom H4n SP gemacht, das zwar oberhalb der 200 Euro kein günstiges Gerät mehr ist, für das, was man bekommt, aber noch immer preislich sehr fair bemessen ist. Und guter Ton ist eine Investition, die sich letztlich immer lohnt.

zoom-h4n

Was nun bietet einem die externe Lösung für Vorteile? Im Grunde zwei. Zum einen ist mal technisch von der Kamera losgelöst. Man hat ein dezidiertes Aufnahmegerät, was bedeutet, dass man effektiv auch einen Faktor weniger zu bedenken hat, wenn es darum geht, die eigene Kamera zu erwerben. Zumal wie so oft bei spezialisierten Geräten der Ton eines expliziten Audiorekorders den einer Kamera lässig in den Schatten stellen kann. Mehr noch: Geräte wie das H4n bieten zusätzlich die Möglichkeit, über XLR-Anschlüsse professionelles Audio-Equipment anzuschließen. Das ist dann natürlich wieder eine Investition, aber wer beispielsweise mit einer Spiegelreflex- oder Systemkamera filmen möchte, erhält so ganz neue Möglichkeiten, denn Audio-Anschlüsse sind dort noch immer eher im Hintertreffen.
Zum anderen ist man aber auch lokal von der Kamera gelöst. Sicher, das bieten einem Funkstrecken etwa auch, aber die wollen dann auch wiederum gepflegt werden. Moderne mobile Rekorder sind nicht groß und leicht irgendwo zu verstecken, sodass man mit der Kamera eventuell weit draußen stehen kann, aber dennoch nachher einen klaren Ton in guter Lautstärke mit nach Hause nehmen kann.

Und Nachteile? Auch da gibt es vor allem zwei. Zum einen muss man sich am Set um ein weiteres Gerät kümmern. Jemand muss Sorge tragen, dass die Aufnahme läuft, dass gestoppt wird, wenn die Aufnahme fertig ist, dass es richtig ausgerichtet ist und dass noch genug Luft auf der Speicherkarte ist. All das sind Kleinigkeiten, aber ein Filmset ist ein Moloch aus Kleinigkeiten und diese kommen halt noch einmal hinzu.
Zum anderen muss man etwas bedachter Vorgehen, insbesondere was die spätere Synchronisation von Bild und Ton betrifft. Habt ihr euch schon immer gefragt, warum Filmklappen, nun, klappen? Genau deshalb: Das optische Aufeinanderschlagen und der akustische Ausschlag dienen dazu, dass später in der Postproduktion beides miteinander wieder vereint werden kann. Das war in frühen analogen Zeiten praktisch, und ist in unserem digitalen Zeitalter nicht weniger nützlich. (Sicher, die Filmklappe hat auch noch die eine oder andere zusätzliche Funktion, aber darauf kommen wir in Kapitel 13 noch.)

Würde ich ein solches Gerät empfehlen? Generell: ja. Im Bereich der nicht kostenlosen, aber kostengünstigen Lösungen sind mobile Audio-Aufnahmegeräte etwas, was in der bloßen Kosten-/Nutzen-Rechnung für mich klar als Sieger hervorgeht.
Einzig die zusätzlichen Handgriffe am Set und natürlich eine hinführende Einarbeitung in eben noch ein Stück Hardware sind Hürden, die halt genommen werden müssen.

Und damit ist unsere Audio-Tour hier nun endlich beendet und wir wenden uns der anderen Seite zu – die nächsten Monate geht es, neben Hilde-News, Terminen und dergleichen, hier vor allem um Kameras, Videosignale und dergleichen.

Viele Grüße,
Thomas

Wie asynchron darf es denn sein?

Egal ob Texte nachträglich eingesprochen werden oder der Set-Ton von einem Gerät verwendet wird, das den Ton unabhängig vom Bild aufgezeichnet hat, es wird immer wieder vorkommen, dass es vielleicht nicht auf Anhieb 100% synchron läuft.
Und damit meine ich nicht mal, dass eine nachträgliche Aufnahme nicht perfekt zu den Lippenbewegungen verläuft – auch bei perfektem Ton ist die Platzierung nicht immer unproblematisch.
Interessant ist dabei, dass es in der Tendenz eher okay ist, wenn der Ton zu spät einsetzt, als anders herum. Untersuchungen besagen, dass eine Audio-Aufnahme durchaus bis zu 125ms zu spät einsetzen kann, ohne dass unsere Intuition beginnt, eine Unstimmigkeit wahrzunehmen.
125ms sind viel; bei den 24 Bildern pro Sekunde eines Kinofilms sind das immerhin drei Bilder. Das ist auch ein Spektrum, das man nicht immer voll ausschöpfen sollte – gerade im digitalen Zeitalter ist es ja wirklich kein Problem, den Ton nahezu perfekt präzise zu platzieren.
Dennoch spannend ist aber, dass es, wenn der Ton gerade mal mehr als 45ms zu früh dran ist, dagegen sofort ins Auge sticht.
Der Grund dafür ist die Art und Weise, wie unsere Welt generell funktioniert. Schall hat eine Geschwindigkeit – und kommt daher unter bestimmten Umständen auch ganz ohne technischen Einfluss verspätet bei uns an. Schall legt pro Sekunde 343 Meter zurück. Das bedeutet, dass der Schall von jemandem, der etwas mehr als 40 Meter von uns entfernt steht, bereits mit den gleichen 125ms Verzögerung bei uns eintrifft, von denen ich zuvor sprach. Das ist eine Situation, die ganz alltäglich vorkommt.
Dass Schall allerdings eintrifft, bevor er entsteht, kommt logischerweise schlichtweg nicht vor. Wir Menschen besitzen eine gewisse Toleranz dafür – unser Gehirn verbringt ja ohnehin viel Zeit damit, sich die Welt „schön zu denken“ und Kausalität zu erschaffen, wo faktisch keine sein kann. Darum ist es in der Lage, bereits aus 12 Bildern pro Sekunde eine „Bewegung“ zu erkennen, und darum nimmt es minimale Verschiebungen nach vorne beim Schall auch hin.
Ist die Differenz allerdings mehr, dann setzt eine andere, zuvor erwähnte besondere Fähigkeit unseres Gehirns ein: Jenes unbestimmbare Gefühl, dass gerade irgendwas nicht stimmt. Und wer nicht gerade darauf aus ist, in die Fußstapfen des französischen Kunstkinos zu treten, der versucht das vermutlich besser zu vermeiden.

Viele Grüße,
Thomas

Die verschollenen Mikrofondiagramme

Hallo zusammen!

In Einfach Filme machen wird an einer Stelle auf „nebenstehende“ Mikrofon-Diagramme verwiesen – nur dass es diese in der ersten Edition so niemals gegeben hat. Ein Missstand, den nicht nur die kommende Neuauflage des Buches beheben wird, sondern dem wir auch hier nun einfach mal begegnen können.

Nachfolgend vier Diagramme, die vielleicht noch ein bisschen helfen zu verstehen, was zur Hölle diese „Mikrofoncharakteristik“ (richtiger: Richtcharakteristik) ist, von der offenbar alle immer wieder reden …

Eine Kugelcharakteristik (auch: omnidirektional) ist ungerichtet, sprich, es nimmt in einer Kugel rund um das Mikrofon Geräusche aus allen Richtungen auf.
Ein bidirektionales Mikrofon (auch: „Acht“) zeichnet in zwei Richtungen auf, spart aber den Ton an den Seiten aus, sodass etwa zwei Interviewpartner ohne Störgeräusche reden können.
Eine Nierencharakteristik (auch cardioid oder unidirektional) zeichnet nur vorne auf, dort aber in einem breiten Winkel. So bleibt es hinter dem Gerät stumm, vorne wird aber alles aufgezeichnet.
Eine Keulencharakteristik zuletzt (auch: direktional) ist eine gerichtete Aufnahme, die an einem Punkt sehr fokussiert aufnimmt, dafür aber auch die gesamte Umgebung entsprechend ausblendet.

Und so sieht das dann aus:

Viele Grüße,
Thomas

Die Tonangel

Hallo zusammen!

Die Angel ist zunächst mal vor allem eine lange Stange, um das Mikro über oder an die Darsteller heran zu bekommen und kann natürlich einfach aus einem Besenstiel gebaut werden. Professionelle Tonangeln sind dagegen aus leichtem Aluminium oder Carbon, können in der Länge verstellt werden, sind extra isoliert und haben einen aus diversen Gründen wie Halt und Isolation praktischen Griff aus Schaumstoff.
Der Nachteil ist natürlich, dass man wieder mal mehr Mitarbeiter braucht und auch die Spontanität am Set durch das zusätzliche, sperrige Gerät eher gemindert wird. Dafür profitiert eben der Ton. Gehen wir das alles aber noch mal im Detail durch.

Mit einer Ton-Angel am Set von "Verfluchte Eifel"

Mit einer Ton-Angel am Set von „Verfluchte Eifel“

Worauf zu achten ist
Es gibt drei Faktoren, die eine Rolle spielen, wenn man festlegt, wo die Tonangeln letztlich hingehalten werden soll. Der erste Punkt ist der Winkel – klassisch, das kennt man auch zum Beispiel von Set-Aufnahmen oder auch von TV-Aufnahmen in der Innenstadt, wird von schräg oben aufgenommen. Das ist kein Zufall. Manchmal sieht man auch, dass bei Filmen von unten geangelt wird, doch sollte man eines nie vergessen: Es geht ja am Ende darum, eine möglichst störungsfreie Aufnahme zu erhalten. Richtet man das Mikro nach unten, findet sich in direkter Linie der Aufnahme vermutlich neben dem Sprecher nur noch irgendwann der Boden. Zeigt das Mikro hingegen hinauf in den Himmel, so sind Vögel, rauschende Blätter und Flugzeuge allesamt Gefahren einer sauberen Aufnahme. Steht das Mikro parallel zum Boden, so sind zumindest Straßen und Schienenstrecken in der Ferne noch ein Problem. Ganz pragmatisch gesprochen sei aber gewarnt, dass es mit der Zeit durchaus in die Arme geht, wenn die Tonangel von Hand gehalten wird; insbesondere, wenn das alles über dem Kopf passiert.
Der zweite Faktor ist schlicht die Sichtbarkeit. Gerade alte B-Filme, aber letztlich auch manche eigentlich teure Filmproduktion hat es nicht vermeiden können und irgendwann lugt dann doch am oberen Rand kurz das Mikro ins Bild. Diese Fehler sind seltener geworden, besonders wo es heute leichter ist, etwas in der Art digital zu korrigieren, aber man erspart sich Leid und Mühen, wenn man von Anfang an darauf achtet. Zu beachten ist übrigens auch, dass oft die Displays der Kameras nicht 100% des Bereichs zeigen, der auch gefilmt wird. Nehmt das Mikro also nicht nur soweit zurück, dass es gerade eben so nicht im Bild ist, sondern gebt ihm dann noch mal ein paar weitere Zentimeter Abstand.
Aber Sichtbarkeit endet nicht alleine mit den Bildgrenzen – Reflexionen sind die zweite klassische Falle für Ton-Angeln. Das ist dann ein Punkt, an dem sogar „Reservoir Dogs – Wilde Hunde“ und „Twilight – Biss zum Morgengrauen“ was gemeinsam haben (und das will ja schon was heißen!), denn beide präsentieren stolz ihre Tonangeln in der Reflexion einer Autoscheibe.
Faktor Nummer 3 hat auch etwas mit Sichtbarkeit zu tun, jedoch nur indirekt: Mikros werfen Schatten. Der vielleicht legendärste Mikrofonschatten könnte in Ed Woods „Plan 9 aus dem Weltall“ zu sehen sein, in dem in der „Cockpitszene“ die gesamt Zeit, völlig ungeschönt, zwischen den Köpfen der beiden Darsteller der immense Schatten des Aufnahme-Mikrofons thront. Doch auch Filme, die insgesamt weniger Gesamtkatastrophen sind als „Plan 9“ sind schon in diese Falle getappt. Also, bevor ihr die Angel in die Höhe hebt, fragt euch wo die Sonne steht oder wo ihr die Scheinwerfer aufgestellt habt. Und weist den Mann an der Tonangel vielleicht auch direkt darauf hin, dass er da am Besten mitdenkt. Das schadet nie.

Tonangeln im Eigenbau
Eine richtig professionelle Tonangel kostet, wie immer, natürlich ordentlich Geld. Aber was man effektiv braucht ist ja nichts weiter als eine Stange mit einem Mikro am Ende. Vielleicht noch mit einem Windschutz versehen. Das kann man mit einem einfachen Mikrofon erledigen, das man mit Hingabe und Klebeband an einen Besen wickelt, oder aber man geht eine Art Mittelweg: Wenn das Mikrofon wahlweise eine Schraubvorrichtung oder eine Halterung für einen Blitzschuh besitzt, kann man meist ein passendes Gegenstück im Baumarkt oder Fotobedarf ganz günstig auftreiben, was man dann wiederum mit einer Schraube oder (starkem) Kleber an der Stange befestigen kann. Das ist insgesamt bequemer und schonender für das Mikro und sieht zudem etwas professioneller aus.
Ein weiterer Kompromiss kann ein Monopod sein, sofern das Mikrofon auf eine normale Stativ-Wechselplatte geschraubt werden kann.
Was man dann allerdings noch beachten muss, ist die Kabelführung. Mikrofonkabel sind immer eine mögliche Störquelle, denn Stöße gegen das Kabel können beispielsweise als Fehlsignal ihren Weg in die Aufnahme finden. Auch ein minderwertiges Kabel, das über eine zu große Strecke geführt wird, wird sich bei der Aufnahme vermutlich mit Rauschen bedanken. Die einzigen Wege daran vorbei sind gute (das heißt abgeschirmte, damit aber auch teurere) Kabel, die möglichst sicher und ohne zu viel Spiel die Angel entlanggeführt werden. Kabelbinder können hier Wunder wirken.
Eine Alternative dazu ist natürlich auch ein sogenanntes mobiles Aufnahmegerät, also ein Gerät, das für sich alleine den Ton aufzeichnen kann und daher keine Verbindung zur Kamera benötigt. Auf solche Geräte kommen wir hier in ein oder zwei Wochen auch noch zu sprechen.

Viele Grüße,
Thomas

Die Wahl des Mikrofons

Hallo zusammen!

Generell gilt: Die allermeisten Kameras haben ein Mikrofon eingebaut. Wenn man nicht gerade mit einer alten DSLR filmt, ist es wahrscheinlich, dass auch Ton aufgezeichnet wird, und wenn es so ist, dann ist es darüber hinaus nahezu sicher, dass die Kamera das schlecht macht.
Es gibt ein paar Designsünden, die sind offensichtlich, wenn man nur darüber nachdenkt. Als Kameras noch auf Band aufgezeichnet haben (und das ist auch „nur“ um die zehn Jahre her), aber gleichzeitig immer kleiner wurden, war es oft so, dass die Kamera ihr eigenes Motorgeräusch aufgezeichnet hat. Und viele Camcorder neigen dazu, das Mikrofon oben auf dem Gehäuse anzubringen. Das ist extrem praktisch, wenn man seinen eigenen Urlaubsfilm kommentieren möchte, während man filmt, oder wenn man darauf steht, jedes noch so hoch fliegende Flugzeug leise in der Tonspur zu haben, aber an sich ist es gerade für unsere Zwecke immer eine schlechte Idee.
Doch selbst wenn die Fehler nicht so offenkundig sind, muss man davon ausgehen, dass eine Kamera bestenfalls dafür gebaut wurde, auch den Ton aufzuzeichnen. Es gibt aber schon einen Grund dafür, dass Profis dazu neigen, ein spezialisiertes Gerät für die Aufgabe zu verwenden. Das aber wiederum führt einen zu der Frage, was genau man da braucht. Und da kommt es, mal wieder, darauf an, was man möchte. Beginnen wir mit einer kleinen Tour durch verschiedene Modellarten, wenn auch etwas unsystematisch.

Stand-Mikrofone

Stand-Mikrofone sind genau das, was der Name suggeriert. Man kennt sie von Radiomoderatoren, alten Fernsehaufzeichnungen, von Bühnenprogrammen, Lesungen und ähnlichen Veranstaltungen, und sie sind ungeheuer praktisch, aber auch völlig unflexibel. Es gibt auch im Video-Bereich durchaus Anwendungsgebiete, für die sie wie gemacht sind – das Vloggen, beispielsweise, auf das wir zu einem späteren Zeitpunkt noch kurz kommen werden –, wer aber wirklich Spielfilme drehen möchte, für den gibt es bessere Optionen.

Richtmikrofone

Richtmikrofone sind auch seit jeher einer der Klassiker im Heimvideo-Bereich; Mikros, die oben auf der Kamera – oft am Blitzschuh, also diesem Schlitten, in den man einen externen Blitz stecken kann – befestigt werden, sind in der Regel Richtmikrofone. Das bedeutet, dass sie eher darauf ausgelegt sind, in einem engen Bereich möglichst weit Ton aufzuzeichnen, anstatt weit gestreut zu versuchen, alles mitzunehmen, was irgendwie klingt. Der Vorteil ist, dass man Störgeräusche außerhalb dieses engen Kanals tatsächlich deutlich weniger hört; selbst ein günstiges Richtmikrofon liefert unter Umständen bereits bemerkenswerte Ergebnisse. Der größte Nachteil ist, dass man zugleich sehr beschränkt ist in dem, was man aufnimmt. Der Ton kommt von dort, wohin auch die Kamera zeigt – was Geräusche außerhalb des Bildes komplett ausschließt; unpraktisch in Dialogen, beispielsweise. Sogar noch mehr, wenn das Richtmikro sehr gerichtet aufnimmt – dann kann es auch vorkommen, dass man in einer Aufnahme Darsteller links und rechts im Bild hat, aber beide kaum hört, weil man den Ton „zwischen beiden hindurch“ aufgenommen wurde.
Dennoch sind Richtmikrofone eine gute Wahl, wenn man mit wenig Geld bereits eine erste spürbare Verbesserung erreichen möchte.

Nahbesprechungsmikros

Mehr der Vollständigkeit halber erwähnt sollen dafür Nahbesprechungsmikrofone sein. Unter diesem langem Begriff verbergen sich Mikro, die – vereinfacht gesagt – schlicht sehr leise aufzeichnen. Ein Reporter, der im Fernsehen von einem Konzert, aus einem Fußball-Stadion oder von einer Demo berichtet, wird vermutlich eines in der Hand haben – da sich der Aufnahmebereich wirklich nur dicht um das eigentliche Mikrofon ausdehnt, kann der Reporter klar sprechen, ohne dass der oft immense Umgebungslärm mit aufgenommen wird. Auch Sänger auf der Bühne nutzen solche Mikrofone – was man gerade bei Rockkonzerten oft erahnen kann, wenn der Interpret beim Schreien fast ins Mikro beißt, aber dennoch alles sauber aufgezeichnet werden kann.
(Und ja, bevor die Tontechniker unter euch innerlich aufschreien: Es ist insgesamt etwas komplexer; es hat etwas mit Schalldruck zu tun, derartige Mikros sind robuster, was die Gefahr von Rückkopplungen angeht und so weiter, aber im Sinne unseres Themas hier führt das zu weit ab vom Felde, denke ich.)
Solche Mikros sind extrem praktisch, aber dadurch, dass das Mikro dann auch direkt vor den Mund gehalten werden muss, zugleich unbrauchbar für filmische Zwecke.

Ansteckmikrofone

Ebenfalls beliebt im Bereich von Fernseh- und Bühnenprogrammen sind dann aber wiederum Mikros, die man vielleicht sogar nutzen kann: Clip-Ons, auch Ansteckmikrofone oder Lavalier-Mikrofone genannt. Diese gibt es mit Kabel, Funk- oder heute Bluetooth-Verbindung und im Kern tun sie alle das Gleiche: Sie übertragen den Ton direkt von der entsprechenden Person, die es trägt. Sie ähneln damit in ihrer lokal begrenzten Aufnahme ein wenig den Nahbesprechungsmikrofonen, sind aber weder mit deren Tücken geschlagen, noch haben sie das Problem des „aus dem Ton“-Laufens, das Richtmikrofone haben können.
Natürlich setzen sie voraus, dass der Sprecher Kleidung trägt, die es erlaubt, das Mikrofon ungesehen anzubringen – in einem Fernsehbericht mag es egal sein, wenn es oben am Kragen zu sehen ist, bei einem Spielfilm sieht das anders aus. Darum ist gerade Sommerwetter immer ein Problem, wenn Frau wie Mann zunehmend leichter bekleidet sind, bietet sich auch zunehmend weniger Platz, das Mikro zu verstecken.
Die zweite große Hürde liegt dann in der Kleidung selbst, denn raschelnder Stoff, der über das Anstreckmikro schabt, versaut einem den Ton ganz gewaltig. Und zuletzt muss einfach bedenken, dass man durch die Stromversorgung und ggf. die drahtlose Übertragung gleich zwei weitere Fehlerquellen mit am Set hat, auf die man vielleicht auch einfach verzichten kann.
Dennoch: Gerade bei ruhigen Dialogszenen kann man sich mit solchen Mikrofonen unter Umständen gut behelfen. Aber das Gelbe vom Ei ist es noch nicht.

Was, mag man sich fragen, machen denn die Profis?
Die angeln.
Aber darüber reden wir hier dann in einer Woche.

Viele Grüße,
Thomas

Drohnen

Hallo zusammen!

Vor einigen Jahren war es noch völlige Science Fiction, aber heute kann man sich nicht mehr sinnvoll mit dem Thema Film befassen, ohne nicht zumindest ein paar Worte zum Thema Drohnen verloren zu haben.
Ferngesteuerte Flugroboter wirken vom Konzept her futuristisch, sind heute aber ganz alltäglich – und warum auch nicht? Sie sind erschwinglich – wobei wir darauf gleich noch kommen – und öffnen selbst dem kleinsten Filmteam grundsätzlich ganz neue Optionen. Selbst ein Kamerakran ist letztlich dadurch eingeschränkt, wie weit er in die Höhe ragen kann, eine Drohne dagegen kann in der Theorie aus einer Portraitaufnahme heraus aufsteigen und am Ende den Blick über eine ganze, weite Landschaft eröffnen. Mehr noch – Aufnahmen, für die man früher einen Hubschrauber gebraucht hätte, von einer recht alltäglichen Luftaufnahme als einleitende Einstellung bis hin zu elaborierten Aufnahmen wie dem berühmten Anfang von „Shining“, in dem sich ein Auto einen schmalen Bergpass entlangschlängelt: Drohnen machen all dies plötzlich möglich. Allerdings nicht ohne Einschränkungen.

Es ist schon mancher Laie vom Himmel gefallen

Fangen wir mit dem einfachsten Teil an: Drohnen fliegen sich nicht von selbst. Teure Drohnen kommen mit einer Menge Features daher, um einem das Leben zu erleichtern – von der Auswertung der eigenen GPS-Positionsdaten, um automatisiert dem Wind zu trotzen und an Ort und Stelle zu bleiben bis hin zu Automatismen, die etwa verhindern sollen, dass man die eigene Drohne in einen Baum oder gegen eine Wand setzt –, aber auch dort ist es mit einer Lernkurve verbunden, will man schöne Bilder haben.
Das ist hier nicht anders als bei jedem anderen vorgestellten Stück Hilfsmittel: Ob Steadycam, Kamerakran oder auch einfach ein normales Stativ, nichts davon bedient sich von alleine. Ein klassischer und guter Ratschlag ist es daher, nicht gleich einen mittleren vierstelligen Betrag in eine professionelle Drohne zu stecken, sondern vielleicht erst mal eine wirkliche Spielzeugdrohne zu erwerben und damit zu üben. Der Verlust von 50 Euro tut deutlich weniger weh als der von 5.000 Euro …

Preise über den Wolken

Mit dem vorigen Satz sind auch grob die Dimensionen abgesteckt, auf die man sich preislich einstellen kann oder muss. Der Spaß fängt bei eingebauter Kamera bei etwa 80 bis 100 Euro an und geht dann schier unbegrenzt nach oben. Je mehr Geld man investiert, desto besser die Kamera an der Drohne, desto größer die Steuermöglichkeiten, desto länger hält der Akku. Man sollte sich im Vorfeld gut überlegen, was genau man eigentlich möchte; für eine einzelne Luftaufnahme am Drehort braucht es keine Drohne im Wert eines Kleinwagens; will man sie umgekehrt oft und für zentrale Einstellungen nutzen, will sich natürlich auch niemand den Film dadurch versauen, dass die Luftaufnahmen aussehen, als habe man sie mit einem zehn Jahre alten Handy gedreht.
Zuletzt gibt es natürlich immer die Möglichkeit, eine Drohne zu leihen – hier kommen aber zwei der vorigen Aspekte zusammen: Drohnen sind teuer, und wenn man nicht weiß, was man tut, auch unfallgefährdet. Ich persönlich fühle mich in solchen Situationen eigentlich immer wohler, wenn ich mein eigenes Eigentum vor die Wand setze, als das später mit Vermietung und Versicherung klären zu müssen.

Die Rechtslage

Zuletzt ein paar Worte zur Rechtslage, auch wenn es natürlich wie immer ein eher trockenes Feld ist. (Und wie immer gilt: Dies ist keine professionelle Rechtsberatung, sondern mein eigener Kenntnisstand als Orientierungshilfe für euch. Für alles weitere, helfen euch Anwälte und Vertreter eurer jeweiligen Stadt und Gemeinde verbindlicher weiter.)
Um es kurz zu machen: Drohnen bis 5 kg bedürfen keiner gesonderten Flugerlaubnis, Drohnen ab 5 kg brauchen hingegen eine Aufstiegserlaubnis, die kostenpflichtig von der Landesluftfahrtbehörde des jeweiligen Bundeslandes erteilt werden kann. Drohnen über 25 kg sind in Deutschland pauschal verboten.
Ebenso eine Aufstiegserlaubnis braucht, wer die Drohnenaufnahmen kommerziell nutzen will. In jedem Fall aber gilt eine maximale Flughöhe von 100 Metern, wobei dies je nach Bundesland noch strikter ausfallen kann. Befindet man sich in städtischen Regionen, fragt man zudem besser noch einmal nach, denn dort ist die Drohnennutzung ohne Genehmigung möglicherweise komplett untersagt. Sind Flughäfen in der Nähe, muss zudem von dort eine Genehmigung eingeholt werden.
Drohnen dürfen in Deutschland nur bei Sichtkontakt gesteuert werden. In der Praxis bedeutet dies, dass nach spätestens 200 Metern Entfernung Grenzen des Spielraums erreicht sind; auch das Umfliegen von Gebäuden oder dergleichen ist damit natürlich tabu.
Dass Trunkenheit am Steuer auch bei Drohnen raus ist, ist vermutlich klar.
Zuletzt: Die reguläre Haftpflichtversicherung zahlt beim Einsatz von Drohnen nicht, eine entsprechende Sonderversicherung ist insofern angeraten bzw., bei kommerzieller Nutzung, Pflicht.
Die Behinderung von Sicherheitskräften, das Stören von Löscharbeiten und andere derartige Eingriffe sollten sich meiner Meinung nach von selbst verbieten, sind aber natürlich auch rechtlich untersagt. Generell gilt, dass eine Drohne etwas ist, was man mit einem Mindestmaß an ethischem Feingefühl nutzen sollte, und wenn es nur darum geht, nicht willkürlich den Blick in fremde Gärten zu werfen.

Zusammengefasst

Drohnen sind cool und machen Dinge möglich, von denen man vor einigen Jahren im Privatbereich nur träumen konnte. Sich mit dem Thema zu befassen ist eigentlich in jedem Falle lohnend. Allerdings sind der Übungsbedarf, der Kostenfaktor und die strengen rechtlichen Auflagen alles Aspekte, die man im Vorfeld gut bedenken sollte.

Viele Grüße,
Thomas