Archiv der Kategorie: Tipps und Ratschläge

[Fremdtipp] Wenn John Wick auf Nerf-Waffen trifft … lernen wir alle was dazu

Hallo zusammen!

Unser Xoro-Darsteller Michael machte mich gestern auf ein unfassbar cooles Video aufmerksam:

Zum einen ist es einfach ein sehr sehenswert gemachter Film. Nicht nur weil John Wick und Nerf beide ziemlich awesome sind, sondern einfach auch, weil es eine kernige Idee, gut umgesetzt, flott inszeniert und kreativ gefilmt ist.

Aber ich wollte es hier noch aus einem anderen Grund teilen: Es ist ein großartiges Lehrstück. Gut gemachte Actionszenen gibt es ja viele; wenn auch wenige so gut gemacht sind wie die in John Wick. Aber was dieser Film hier bewerkstelligt, darf man nicht unterschätzen: Er bricht die optische Gewohnheit auf.

Nerf-Waffen sind bunt. Quietschebunt sogar. Das bedeutet, sie fallen uns ins Auge. Wir sind oftmals so an die Prämissen und Regeln von Actionszenen gewöhnt, dass es gar nicht mehr auffällt, was genau dort passiert. Wir kennen die Film- und Bildsprache.
Wenn nun aber plötzlich alle relevanten Objekte Signalfarben haben, ändert sich das. Schaut euch beispielsweise mal diese Sequenz aus dem verlinkten Film an (wer darauf klickt, bekommt sie in größer):

Der Protagonist tackelt einen Gegner, feuert über dessen Schulter und greift dabei bereits nach dessen Magazin. Dann, in der Rückwärtsbewegung, zieht er es aus der gegnerischen Waffe, wirft sein eigenes Magazin aus, lädt die feindlichen Nerf-Bolzen ein und wird dann, im letzten Bild, seinen Widersacher mit dessen eigener Munition er- bzw. beschießen.

Das ist eine ziemlich coole Choreographie, aber so richtig augenfällig wird sie alleine durch die Nerf-Waffen.
Und darum gewissermaßen eine „Hausaufgabe“, wenn ihr wollt: Schaut euch den oben verlinkten Film einfach noch mal an, und diesmal, schaut wie was inszeniert wird. Wann sich die Kamera bewegt, wohin und warum. Was enthüllt wird, was verdeckt wird.
Sicher, das könnt ihr auch mit jeder anderen Actionszene machen.

Aber kaum eine macht es euch dabei so leicht wie diese hier.

Viele Grüße,
Thomas

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Ein Einstieg in die Welt der Auflösungen

Hallo zusammen!

Wie schon mehrfach angedeutet, werden sich die kommenden Wochen hier im Blog vor allem um das Bild drehen, nachdem wir den Ton ja jüngst erst noch mal abgefrühstückt haben. Und gerade zum Auftakt des Themenblocks will ich auch gar nicht so viel reden, sondern ein Bild sprechen lassen.

Spätestens seit HD-Fernsehern sind diese ganzen Auflösungen ja immer wieder in aller Munde – da gibt es UHD und HD, FullHD und HD Ready, aber auch die alten Formate hatten ja eine Auflösung. Und anstatt euch jetzt hier mit langen Tabellen zu quälen, dachte ich mir, lasse ich einmal ein Bild sprechen, denn das sagt ja bekanntlich mehr als tausend Worte:

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(Ein Klick öffnet die Grafik in voller Auflösung; als Abbildung 1:1)

Das ist alles in ein paar Punkten ein wenig vereinfacht, aber ich denke, es gibt schon mal eine grobe Vorstellung davon, warum z.B. die DVD so viel besser aussah als die VHS davor, oder warum Youtube-Videos so gottserbärmlich wirken, wenn die Qualität auf 144p absackt. (144p ist übrigens 256×144 Pixel – aber es sagt ja schon alles, dass das Feld auf meinem Schaubild zu klein wurde für die Info, oder?)

Es sind auch nicht alle Formate drauf, S-VHS und die Laserdisc wären so zwei bekanntere Formate, die ich mal aus Gründen der Übersichtlichkeit ausgelassen habe. Dennoch, ich denke, ein guter Einstieg ist damit gemacht.
Und das nächste Mal steigen wir dann mal so nach und nach tiefer in die Materie ein.

Viele Grüße,
Thomas

Externe Tonquellen

Hallo zusammen!

Eine letzte Alternative bleibt noch anzusprechen, auch wenn wir sie in anderem Kontext hier schon im Blog hatten: Die externe Lösung. War der Bereich mobiler Aufnahmegeräte vor einigen Jahren noch ein Feld, das vollständig von unbezahlbaren Profi-Geräten dominiert wurde, so gibt es da mittlerweile eine Vielzahl mehr oder weniger eleganter Lösungen.
Wir haben beispielsweise gute Erfahrungen mit dem Zoom H4n SP gemacht, das zwar oberhalb der 200 Euro kein günstiges Gerät mehr ist, für das, was man bekommt, aber noch immer preislich sehr fair bemessen ist. Und guter Ton ist eine Investition, die sich letztlich immer lohnt.

zoom-h4n

Was nun bietet einem die externe Lösung für Vorteile? Im Grunde zwei. Zum einen ist mal technisch von der Kamera losgelöst. Man hat ein dezidiertes Aufnahmegerät, was bedeutet, dass man effektiv auch einen Faktor weniger zu bedenken hat, wenn es darum geht, die eigene Kamera zu erwerben. Zumal wie so oft bei spezialisierten Geräten der Ton eines expliziten Audiorekorders den einer Kamera lässig in den Schatten stellen kann. Mehr noch: Geräte wie das H4n bieten zusätzlich die Möglichkeit, über XLR-Anschlüsse professionelles Audio-Equipment anzuschließen. Das ist dann natürlich wieder eine Investition, aber wer beispielsweise mit einer Spiegelreflex- oder Systemkamera filmen möchte, erhält so ganz neue Möglichkeiten, denn Audio-Anschlüsse sind dort noch immer eher im Hintertreffen.
Zum anderen ist man aber auch lokal von der Kamera gelöst. Sicher, das bieten einem Funkstrecken etwa auch, aber die wollen dann auch wiederum gepflegt werden. Moderne mobile Rekorder sind nicht groß und leicht irgendwo zu verstecken, sodass man mit der Kamera eventuell weit draußen stehen kann, aber dennoch nachher einen klaren Ton in guter Lautstärke mit nach Hause nehmen kann.

Und Nachteile? Auch da gibt es vor allem zwei. Zum einen muss man sich am Set um ein weiteres Gerät kümmern. Jemand muss Sorge tragen, dass die Aufnahme läuft, dass gestoppt wird, wenn die Aufnahme fertig ist, dass es richtig ausgerichtet ist und dass noch genug Luft auf der Speicherkarte ist. All das sind Kleinigkeiten, aber ein Filmset ist ein Moloch aus Kleinigkeiten und diese kommen halt noch einmal hinzu.
Zum anderen muss man etwas bedachter Vorgehen, insbesondere was die spätere Synchronisation von Bild und Ton betrifft. Habt ihr euch schon immer gefragt, warum Filmklappen, nun, klappen? Genau deshalb: Das optische Aufeinanderschlagen und der akustische Ausschlag dienen dazu, dass später in der Postproduktion beides miteinander wieder vereint werden kann. Das war in frühen analogen Zeiten praktisch, und ist in unserem digitalen Zeitalter nicht weniger nützlich. (Sicher, die Filmklappe hat auch noch die eine oder andere zusätzliche Funktion, aber darauf kommen wir in Kapitel 13 noch.)

Würde ich ein solches Gerät empfehlen? Generell: ja. Im Bereich der nicht kostenlosen, aber kostengünstigen Lösungen sind mobile Audio-Aufnahmegeräte etwas, was in der bloßen Kosten-/Nutzen-Rechnung für mich klar als Sieger hervorgeht.
Einzig die zusätzlichen Handgriffe am Set und natürlich eine hinführende Einarbeitung in eben noch ein Stück Hardware sind Hürden, die halt genommen werden müssen.

Und damit ist unsere Audio-Tour hier nun endlich beendet und wir wenden uns der anderen Seite zu – die nächsten Monate geht es, neben Hilde-News, Terminen und dergleichen, hier vor allem um Kameras, Videosignale und dergleichen.

Viele Grüße,
Thomas

Die verschollenen Mikrofondiagramme

Hallo zusammen!

In Einfach Filme machen wird an einer Stelle auf „nebenstehende“ Mikrofon-Diagramme verwiesen – nur dass es diese in der ersten Edition so niemals gegeben hat. Ein Missstand, den nicht nur die kommende Neuauflage des Buches beheben wird, sondern dem wir auch hier nun einfach mal begegnen können.

Nachfolgend vier Diagramme, die vielleicht noch ein bisschen helfen zu verstehen, was zur Hölle diese „Mikrofoncharakteristik“ (richtiger: Richtcharakteristik) ist, von der offenbar alle immer wieder reden …

Eine Kugelcharakteristik (auch: omnidirektional) ist ungerichtet, sprich, es nimmt in einer Kugel rund um das Mikrofon Geräusche aus allen Richtungen auf.
Ein bidirektionales Mikrofon (auch: „Acht“) zeichnet in zwei Richtungen auf, spart aber den Ton an den Seiten aus, sodass etwa zwei Interviewpartner ohne Störgeräusche reden können.
Eine Nierencharakteristik (auch cardioid oder unidirektional) zeichnet nur vorne auf, dort aber in einem breiten Winkel. So bleibt es hinter dem Gerät stumm, vorne wird aber alles aufgezeichnet.
Eine Keulencharakteristik zuletzt (auch: direktional) ist eine gerichtete Aufnahme, die an einem Punkt sehr fokussiert aufnimmt, dafür aber auch die gesamte Umgebung entsprechend ausblendet.

Und so sieht das dann aus:

Viele Grüße,
Thomas

Die Tonangel

Hallo zusammen!

Die Angel ist zunächst mal vor allem eine lange Stange, um das Mikro über oder an die Darsteller heran zu bekommen und kann natürlich einfach aus einem Besenstiel gebaut werden. Professionelle Tonangeln sind dagegen aus leichtem Aluminium oder Carbon, können in der Länge verstellt werden, sind extra isoliert und haben einen aus diversen Gründen wie Halt und Isolation praktischen Griff aus Schaumstoff.
Der Nachteil ist natürlich, dass man wieder mal mehr Mitarbeiter braucht und auch die Spontanität am Set durch das zusätzliche, sperrige Gerät eher gemindert wird. Dafür profitiert eben der Ton. Gehen wir das alles aber noch mal im Detail durch.

Mit einer Ton-Angel am Set von "Verfluchte Eifel"

Mit einer Ton-Angel am Set von „Verfluchte Eifel“

Worauf zu achten ist
Es gibt drei Faktoren, die eine Rolle spielen, wenn man festlegt, wo die Tonangeln letztlich hingehalten werden soll. Der erste Punkt ist der Winkel – klassisch, das kennt man auch zum Beispiel von Set-Aufnahmen oder auch von TV-Aufnahmen in der Innenstadt, wird von schräg oben aufgenommen. Das ist kein Zufall. Manchmal sieht man auch, dass bei Filmen von unten geangelt wird, doch sollte man eines nie vergessen: Es geht ja am Ende darum, eine möglichst störungsfreie Aufnahme zu erhalten. Richtet man das Mikro nach unten, findet sich in direkter Linie der Aufnahme vermutlich neben dem Sprecher nur noch irgendwann der Boden. Zeigt das Mikro hingegen hinauf in den Himmel, so sind Vögel, rauschende Blätter und Flugzeuge allesamt Gefahren einer sauberen Aufnahme. Steht das Mikro parallel zum Boden, so sind zumindest Straßen und Schienenstrecken in der Ferne noch ein Problem. Ganz pragmatisch gesprochen sei aber gewarnt, dass es mit der Zeit durchaus in die Arme geht, wenn die Tonangel von Hand gehalten wird; insbesondere, wenn das alles über dem Kopf passiert.
Der zweite Faktor ist schlicht die Sichtbarkeit. Gerade alte B-Filme, aber letztlich auch manche eigentlich teure Filmproduktion hat es nicht vermeiden können und irgendwann lugt dann doch am oberen Rand kurz das Mikro ins Bild. Diese Fehler sind seltener geworden, besonders wo es heute leichter ist, etwas in der Art digital zu korrigieren, aber man erspart sich Leid und Mühen, wenn man von Anfang an darauf achtet. Zu beachten ist übrigens auch, dass oft die Displays der Kameras nicht 100% des Bereichs zeigen, der auch gefilmt wird. Nehmt das Mikro also nicht nur soweit zurück, dass es gerade eben so nicht im Bild ist, sondern gebt ihm dann noch mal ein paar weitere Zentimeter Abstand.
Aber Sichtbarkeit endet nicht alleine mit den Bildgrenzen – Reflexionen sind die zweite klassische Falle für Ton-Angeln. Das ist dann ein Punkt, an dem sogar „Reservoir Dogs – Wilde Hunde“ und „Twilight – Biss zum Morgengrauen“ was gemeinsam haben (und das will ja schon was heißen!), denn beide präsentieren stolz ihre Tonangeln in der Reflexion einer Autoscheibe.
Faktor Nummer 3 hat auch etwas mit Sichtbarkeit zu tun, jedoch nur indirekt: Mikros werfen Schatten. Der vielleicht legendärste Mikrofonschatten könnte in Ed Woods „Plan 9 aus dem Weltall“ zu sehen sein, in dem in der „Cockpitszene“ die gesamt Zeit, völlig ungeschönt, zwischen den Köpfen der beiden Darsteller der immense Schatten des Aufnahme-Mikrofons thront. Doch auch Filme, die insgesamt weniger Gesamtkatastrophen sind als „Plan 9“ sind schon in diese Falle getappt. Also, bevor ihr die Angel in die Höhe hebt, fragt euch wo die Sonne steht oder wo ihr die Scheinwerfer aufgestellt habt. Und weist den Mann an der Tonangel vielleicht auch direkt darauf hin, dass er da am Besten mitdenkt. Das schadet nie.

Tonangeln im Eigenbau
Eine richtig professionelle Tonangel kostet, wie immer, natürlich ordentlich Geld. Aber was man effektiv braucht ist ja nichts weiter als eine Stange mit einem Mikro am Ende. Vielleicht noch mit einem Windschutz versehen. Das kann man mit einem einfachen Mikrofon erledigen, das man mit Hingabe und Klebeband an einen Besen wickelt, oder aber man geht eine Art Mittelweg: Wenn das Mikrofon wahlweise eine Schraubvorrichtung oder eine Halterung für einen Blitzschuh besitzt, kann man meist ein passendes Gegenstück im Baumarkt oder Fotobedarf ganz günstig auftreiben, was man dann wiederum mit einer Schraube oder (starkem) Kleber an der Stange befestigen kann. Das ist insgesamt bequemer und schonender für das Mikro und sieht zudem etwas professioneller aus.
Ein weiterer Kompromiss kann ein Monopod sein, sofern das Mikrofon auf eine normale Stativ-Wechselplatte geschraubt werden kann.
Was man dann allerdings noch beachten muss, ist die Kabelführung. Mikrofonkabel sind immer eine mögliche Störquelle, denn Stöße gegen das Kabel können beispielsweise als Fehlsignal ihren Weg in die Aufnahme finden. Auch ein minderwertiges Kabel, das über eine zu große Strecke geführt wird, wird sich bei der Aufnahme vermutlich mit Rauschen bedanken. Die einzigen Wege daran vorbei sind gute (das heißt abgeschirmte, damit aber auch teurere) Kabel, die möglichst sicher und ohne zu viel Spiel die Angel entlanggeführt werden. Kabelbinder können hier Wunder wirken.
Eine Alternative dazu ist natürlich auch ein sogenanntes mobiles Aufnahmegerät, also ein Gerät, das für sich alleine den Ton aufzeichnen kann und daher keine Verbindung zur Kamera benötigt. Auf solche Geräte kommen wir hier in ein oder zwei Wochen auch noch zu sprechen.

Viele Grüße,
Thomas

Die Wahl des Mikrofons

Hallo zusammen!

Generell gilt: Die allermeisten Kameras haben ein Mikrofon eingebaut. Wenn man nicht gerade mit einer alten DSLR filmt, ist es wahrscheinlich, dass auch Ton aufgezeichnet wird, und wenn es so ist, dann ist es darüber hinaus nahezu sicher, dass die Kamera das schlecht macht.
Es gibt ein paar Designsünden, die sind offensichtlich, wenn man nur darüber nachdenkt. Als Kameras noch auf Band aufgezeichnet haben (und das ist auch „nur“ um die zehn Jahre her), aber gleichzeitig immer kleiner wurden, war es oft so, dass die Kamera ihr eigenes Motorgeräusch aufgezeichnet hat. Und viele Camcorder neigen dazu, das Mikrofon oben auf dem Gehäuse anzubringen. Das ist extrem praktisch, wenn man seinen eigenen Urlaubsfilm kommentieren möchte, während man filmt, oder wenn man darauf steht, jedes noch so hoch fliegende Flugzeug leise in der Tonspur zu haben, aber an sich ist es gerade für unsere Zwecke immer eine schlechte Idee.
Doch selbst wenn die Fehler nicht so offenkundig sind, muss man davon ausgehen, dass eine Kamera bestenfalls dafür gebaut wurde, auch den Ton aufzuzeichnen. Es gibt aber schon einen Grund dafür, dass Profis dazu neigen, ein spezialisiertes Gerät für die Aufgabe zu verwenden. Das aber wiederum führt einen zu der Frage, was genau man da braucht. Und da kommt es, mal wieder, darauf an, was man möchte. Beginnen wir mit einer kleinen Tour durch verschiedene Modellarten, wenn auch etwas unsystematisch.

Stand-Mikrofone

Stand-Mikrofone sind genau das, was der Name suggeriert. Man kennt sie von Radiomoderatoren, alten Fernsehaufzeichnungen, von Bühnenprogrammen, Lesungen und ähnlichen Veranstaltungen, und sie sind ungeheuer praktisch, aber auch völlig unflexibel. Es gibt auch im Video-Bereich durchaus Anwendungsgebiete, für die sie wie gemacht sind – das Vloggen, beispielsweise, auf das wir zu einem späteren Zeitpunkt noch kurz kommen werden –, wer aber wirklich Spielfilme drehen möchte, für den gibt es bessere Optionen.

Richtmikrofone

Richtmikrofone sind auch seit jeher einer der Klassiker im Heimvideo-Bereich; Mikros, die oben auf der Kamera – oft am Blitzschuh, also diesem Schlitten, in den man einen externen Blitz stecken kann – befestigt werden, sind in der Regel Richtmikrofone. Das bedeutet, dass sie eher darauf ausgelegt sind, in einem engen Bereich möglichst weit Ton aufzuzeichnen, anstatt weit gestreut zu versuchen, alles mitzunehmen, was irgendwie klingt. Der Vorteil ist, dass man Störgeräusche außerhalb dieses engen Kanals tatsächlich deutlich weniger hört; selbst ein günstiges Richtmikrofon liefert unter Umständen bereits bemerkenswerte Ergebnisse. Der größte Nachteil ist, dass man zugleich sehr beschränkt ist in dem, was man aufnimmt. Der Ton kommt von dort, wohin auch die Kamera zeigt – was Geräusche außerhalb des Bildes komplett ausschließt; unpraktisch in Dialogen, beispielsweise. Sogar noch mehr, wenn das Richtmikro sehr gerichtet aufnimmt – dann kann es auch vorkommen, dass man in einer Aufnahme Darsteller links und rechts im Bild hat, aber beide kaum hört, weil man den Ton „zwischen beiden hindurch“ aufgenommen wurde.
Dennoch sind Richtmikrofone eine gute Wahl, wenn man mit wenig Geld bereits eine erste spürbare Verbesserung erreichen möchte.

Nahbesprechungsmikros

Mehr der Vollständigkeit halber erwähnt sollen dafür Nahbesprechungsmikrofone sein. Unter diesem langem Begriff verbergen sich Mikro, die – vereinfacht gesagt – schlicht sehr leise aufzeichnen. Ein Reporter, der im Fernsehen von einem Konzert, aus einem Fußball-Stadion oder von einer Demo berichtet, wird vermutlich eines in der Hand haben – da sich der Aufnahmebereich wirklich nur dicht um das eigentliche Mikrofon ausdehnt, kann der Reporter klar sprechen, ohne dass der oft immense Umgebungslärm mit aufgenommen wird. Auch Sänger auf der Bühne nutzen solche Mikrofone – was man gerade bei Rockkonzerten oft erahnen kann, wenn der Interpret beim Schreien fast ins Mikro beißt, aber dennoch alles sauber aufgezeichnet werden kann.
(Und ja, bevor die Tontechniker unter euch innerlich aufschreien: Es ist insgesamt etwas komplexer; es hat etwas mit Schalldruck zu tun, derartige Mikros sind robuster, was die Gefahr von Rückkopplungen angeht und so weiter, aber im Sinne unseres Themas hier führt das zu weit ab vom Felde, denke ich.)
Solche Mikros sind extrem praktisch, aber dadurch, dass das Mikro dann auch direkt vor den Mund gehalten werden muss, zugleich unbrauchbar für filmische Zwecke.

Ansteckmikrofone

Ebenfalls beliebt im Bereich von Fernseh- und Bühnenprogrammen sind dann aber wiederum Mikros, die man vielleicht sogar nutzen kann: Clip-Ons, auch Ansteckmikrofone oder Lavalier-Mikrofone genannt. Diese gibt es mit Kabel, Funk- oder heute Bluetooth-Verbindung und im Kern tun sie alle das Gleiche: Sie übertragen den Ton direkt von der entsprechenden Person, die es trägt. Sie ähneln damit in ihrer lokal begrenzten Aufnahme ein wenig den Nahbesprechungsmikrofonen, sind aber weder mit deren Tücken geschlagen, noch haben sie das Problem des „aus dem Ton“-Laufens, das Richtmikrofone haben können.
Natürlich setzen sie voraus, dass der Sprecher Kleidung trägt, die es erlaubt, das Mikrofon ungesehen anzubringen – in einem Fernsehbericht mag es egal sein, wenn es oben am Kragen zu sehen ist, bei einem Spielfilm sieht das anders aus. Darum ist gerade Sommerwetter immer ein Problem, wenn Frau wie Mann zunehmend leichter bekleidet sind, bietet sich auch zunehmend weniger Platz, das Mikro zu verstecken.
Die zweite große Hürde liegt dann in der Kleidung selbst, denn raschelnder Stoff, der über das Anstreckmikro schabt, versaut einem den Ton ganz gewaltig. Und zuletzt muss einfach bedenken, dass man durch die Stromversorgung und ggf. die drahtlose Übertragung gleich zwei weitere Fehlerquellen mit am Set hat, auf die man vielleicht auch einfach verzichten kann.
Dennoch: Gerade bei ruhigen Dialogszenen kann man sich mit solchen Mikrofonen unter Umständen gut behelfen. Aber das Gelbe vom Ei ist es noch nicht.

Was, mag man sich fragen, machen denn die Profis?
Die angeln.
Aber darüber reden wir hier dann in einer Woche.

Viele Grüße,
Thomas

Ein paar Kamerahalterungen extra

Hallo zusammen!

Im September 2007 (!) schrieb ich hier einen Artikel zum Thema Mittel, seine Kamera zu platzieren. Aber neun Jahre sind eine lange Zeit, neue Mittel und Wege zu entdecken. Zeit für ein Update.
Die damals genannten Methoden sind dabei heute ebenso gut wie eh und je – aber es gibt da einfach mehr!

Monopod
Monopod webEin wenig flexibler, aber in der Aufnahme einem Stativ sehr ähnlich ist das Monopod, manchmal auch Einbein genannt. Im Kern steckt im Namen auch schon exakt, was es ist: Ein Monopod ist eine einzelne Stange, oft ein wenig länger als übliche Stative, an deren Kopf die Kamera befestigt werden kann.
Das klingt zunächst nicht spektakulär, aber jeder, der mal einen Tag lang ein Stativ durchgehend von A nach B geschleppt hat, wird schnell erkennen, dass die Reduktion auf nur ein Bein ein deutliches Maß an Flexibilität mit sich bringt.
Die Vorzüge bleiben dabei weitgehend gleich – das Bild ist ruhig, verwackeln ist geradezu unmöglich. Allerdings mit einer Einschränkung: Naturgemäß steht das Einbein nicht von selbst. Vom Luxus, die Kamera an einer festen Position mal sich selbst überlassen zu können oder etwa beide Hände frei zu haben, um zu schwenken und dabei zu fokussieren, muss man sich natürlich verabschieden.

Gorilla-Pods
Gorilla webGorilla-Pods sind ein Markenprodukt, wobei es auch dort mittlerweile Noname-Entsprechungen gibt. Im Grundsatz sind es erst einmal Stative – klassisch mit drei Beinen. Der Unterschied zum herkömmlichen Stativ ist dabei, dass diese Beine nicht stabile, feste Stangen sind, sondern vielmehr aus zahlreichen sehr schwergängigen Kugelgelenken bestehen. Somit kann man seine Kamera nahezu überall zum Halten bringen. Ist der Boden uneben, biegt man die Beine zurecht. Gibt es ein Geländer, so schlingt man die Beine dort herum. Will man höher hinaus, kann ein Baum beispielsweise umwickelt werden.
Kleine Gorilla-Pods für Smartphones und Action-Cams sind bereits unter 30 Euro zu haben und erfüllen in ihrem Segment ihren Job hervorragend. Will man dagegen größere Kameras aufhängen, so hat die Firma ebenfalls Produkte am Start, will jedoch auch, dass man entsprechend tiefer in die Tasche greift.

Slider
Eine Variante all dessen wäre noch ein sogenannter Slider. Slider, auch Kamerarutsche genannt, sind gewissermaßen fixierte Schienensysteme, auf denen ein Schlitten bewegt wird, um zum Beispiel kleine Kamerafahrten zu realisieren. Der Vorteil gegenüber einem Schienensystem ist, dass nichts verlegt werden muss und man schnell einsatzbereit ist.
Professionelle Slider gibt es teilweise auch in Varianten, die man auf ein Stativ montieren kann, sodass man in Windeseile aus einer stationären Aufnahme eine Fahrt konstruieren kann – achtet dann aber darauf, dass ihr nicht am Stativ selbst spart, denn es braucht schon ein robustes Dreibein, damit man den Schwerpunkt so weit zur Seite verlagern kann, wie es ein Slider nunmal tut. (Pro-Tip zwischendrin: Kleine Sandsäcke retten nicht nur Leben, sondern als Gewicht auch teures Equipment.)
Professionelle Slider können unter Umständen recht teuer werden, aber es gibt Alternativen. Die beiden beliebtesten Lösungen im Eigenbau sind entweder Plastikrohre aus dem Baumarkt, die ordentlich eingeölt eine ziemlich gute Grundlage bilden, oder aber Schubladenleisten, gleichsam aus dem Baumarkt, die man als Fundament eines kompakten Sliders nehmen kann. Achtet aber darauf, dass es in letzterem Fall kugelgelagerte Leisten sind, sonst wird das nichts mit der ruhigen Fahrt.

Schulterstützen
Das Konzept dahinter ist sehr einfach: Eine der einfachsten Methoden, etwas zu stabilisieren, ist es, die Schulter zur Hilfe zu nehmen. Darum legen Schützen das Gewehr an die Schulter an, und die meisten Leute neigen dazu, schwere Lasten auf ihren Schultern zu tragen.
Dadurch, dass die Halterung damit an einem weiteren Punkt aufliegt, erlangt die ganze Konstruktion Stabilität, und die Last wird auf den Körper verteilt, was ein längeres Arbeiten ermöglicht.
Schulterstützen gibt es in jeder Preisklasse. Man kann eine entsprechende Schraube durch ein Brett treiben und sich das über die Schulter legen, um bereits einen ersten Erfolg zu haben. Manche Leute funktionieren auch Stative oder Monopods um, ebenfalls mit Erfolg. Wer hingegen etwas Geld in die Hand nehmen mag, kriegt gut ausgewuchtete, gepolsterte Halterungen, die zusätzlich durch eine ergonomische Form helfen, lange, bequem und stabil filmen zu können. Wie immer kennt der Preis dabei natürlich keine Obergrenze.

Das Schwebestativ
Schwebestativ webMittlerweile gibt es auf dem Markt aber auch Lösungen für den kleinen Geldbeutel, die eine richtige Steadycam zwar vielleicht nicht ersetzen können, aber durchaus die gleiche Nische füllen. Das Schwebestativ ist dabei eine wirklich feine Angelegenheit.
Eine Platte, auf der die Kamera montiert wird, führt in einem Bogen herab zu einem Gewicht. Unterhalb der Platte hingegen ist kugelgelagert ein Griff montiert. Durch das Gewicht und das Kugellager pendelt sich diese Konstruktion, wenn sie einmal sauber kalibriert wurde, immer wieder gerade ein. Ein Kameraschwenk wird ruhiger, ebenso wie eine freihändige Aufnahme ein viel professionelleres, ruhigeres Bild erhält. Gerade auch vertikale Bewegungen gewinnen sehr viel Stabilität, da das Gewicht den Horizont der Kamera stabilisiert und dem Kameramann somit eine Last von der Schulter nimmt.
Apropos Last sei aber gesagt, dass das zusätzliche Gewicht natürlich im Laufe eines kompletten Drehtags durchaus seine Spuren hinterlässt. Auch wer ein solches Stativ für Aufnahmen nutzen will, bei denen  der Kameramann selbst vorwärts geht, sollte Zeit zum Üben einplanen. Zwar kann man sehr viel ruhigere Aufnahmen erreichen, aber ungeübt führen Gewicht und Kugellager schnell zu etwas, was ich mal „die Optik eines schwankenden, betrunkenen Seemanns“ nennen mag.
Dafür ist der Preis wirklich fair; schon ab 50 Euro kriegt man mit etwas Suchen solide Geräte. Viele Modelle in der Preisklasse sind offiziell für Smartphones oder Actioncams ausgeschrieben, doch ein Blick auf das erlaubte Gewicht zeigt meist, dass zumindest alles bis zu einer Mittelklasse-DSLR problemlos möglich ist.
Wer dagegen kein Problem damit hat, den Preis zu verzehnfachen, der bekommt auch wirklich schicke Modelle mit kleinem Motor und automatischer, gyroskopischer Stabilisierung – ist aber dann natürlich auch wieder lange aus dem NoBudget-Segment verschwunden.

Der Henkelgriff
Henkel webWer noch ein bisschen günstiger davonkommen will, der wird ab etwa 25 Euro in Form eines Henkelgriffes fündig. Auf den ersten Blick mag man sich fragen, wozu er dient; weder bietet er die zusätzliche Stabilität eines expliziten Gewichtes, noch beispielsweise den Ausgleich eines Kugellagers. Und doch hat er so seine Vorteile.
Zum einen kann man die Stabilität insofern erhöhen, als dass man mehr zum Anfassen hat. Mehr Griff, mehr Boden, generell einfach mehr in der Hand, das hilft ungemein, wenn die Kamera – etwa eine DSLR – kleiner ist, als man sich vielleicht wünscht. Weiterhin ist es eine sehr bequeme Möglichkeit, auch bodennah filmen zu können, egal ob man die Kamera nun von oben hält, oder ob man sie auch einfach abstellt, denn die breitere Fläche unter der Halterung ermöglicht es, auf jeder ebenen Oberfläche einen sicheren Stand zu finden.
Henkel im EinsatzEin weiteres, nettes Feature ist es, dass man je nach Bauweise eine ganze Menge zusätzliches Equipment rund um die Kamera montieren kann. Der abgebildete Henkel hat etwa vorne am Griff noch eine Blitzschuh-artige Halterung, sodass etwa ein kleiner LED-Scheinwerfer oder ein Mikro dort bequem angebracht werden können.
Die große Schwäche des Henkels liegt eher in all dem, was er schlicht nicht ist. Er kompensiert nahezu keine Bewegungen, er ist nicht sehr flexibel und bei der Bedienung der Kamera auch gerne mal im Weg. Der günstige Preis macht ihn aber dennoch möglicherweise attraktiv.

Selfie-Sticks
Nun ja, der Vollständigkeit halber seien sie genannt. Effektiv nur eine mehr oder weniger lange Teleskopstange, an deren Ende die Kamera befestigt werden kann; zudem meist explizit für Actioncams und Smartphones ausgelegt – und anders als bei den Schwebestativen nicht nur in der Theorie, sondern schlicht auch in der Traglast –, sodass die Verwendung mit einer großen Kamera eher ausfällt.
Kann man damit interessante Aufnahmen machen? Mit Sicherheit.
Würde ich zum Kauf raten? Nope.

Viele Grüße,
Thomas