Archiv der Kategorie: Eifelareas gute Ratschläge

Wisse, was du drehen willst

Hallo zusammen!

Es gibt eine Menge ganz pragmatischer Fragen, die man sich vor einem Filmdreh stellen kann – welche Szenen werden gedreht, wer muss dafür anwesend sein, was wird an Equipment hinter, an Requisiten vor der Kamera gebraucht und derlei mehr.

Aber es gibt noch eine andere Art, sich im Vorfeld zu fragen, was genau man eigentlich dreht – die Hintergründige. Worum geht es in dem Film, den man dreht? Die Antwort darauf kann sehr oft als Schlüssel dienen, um auch zu begreifen, worum es in einzelnen Szenen gehen soll und Entscheidungen zu treffen, wenn sie spontan nötig sind.

So gibt es etwa eine Anekdote zu Francis Ford Coppola: Beim Filmdreh von „Der Dialog“ wurden ihm von der Requisitenabteilung verschiedene Regenmäntel zur Wahl gestellt: einer durchsichtig, einer dunkel. Sie wollten wissen, ob er sich die fragliche Figur wie einen Detektiv vorgestellt hat, wie einen Humphrey Bogart, oder was sonst. Nun könnte er wahlweise einfach eine willkürliche Wahl treffen, oder aber – noch fataler – unentschlossen am Set stehen. Coppola aber denkt komplexer: Sein Film, weiß er, dreht sich unter anderem um das Thema der Privatsphäre – und darum wählt er den durchsichtigen Schirm, weil er es in dem Kontext spannender findet. Solche Entscheidungen sind aber nur möglich, wenn man über die eigene Materie weiterführender nachgedacht hat als nur von einem technisch-realisierenden Standpunkt aus.

Dies ist jedoch auch eine Herangehensweise, die nicht auf das intellektuelle Kino beschränkt ist. Mein Standardbeispiel ist hier die „Fast & Furious“-Reihe. Auf den ersten Blick ist es eine Filmreihe über „coole Typen“ und schnelle Autos. Das mag auch das Thema sein. Das Leitmotiv aber ist ein ganz anderes: Es ist eine Filmreihe über das Konzept von Familie. Und wenn man sich die Filme unter dieser Prämisse noch mal bewusst anschaut, kann man überall diese typischen, kleinen Designentscheidungen ausmachen, die im Falle eines jeden Drehs aufkommen. Man kann aber vor allem ausmachen, wie oft die Antwort auf mögliche Fragen schon alleine durch dieses Leitmotiv gegeben wurde.

Darum gilt: Man muss seinen Film nicht nur kennen, man muss ihn verstehen. Verständnis für den Inhalt des Films dient nicht nur dazu, dass man beim Dreh schneller gute Entscheidungen treffen kann, es ist zugleich eine Rettungsleine, die verhindert, dass spontane Setzungen plötzlich deplatziert wirken können – denn das Leitmotiv schafft automatisch Kontext.

Viele Grüße,
Thomas

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Eifelareas gute Ratschläge 11: Film ist kein Theater

Hallo zusammen!

Oftmals kann man lesen, dass für den budgetlosen Filmemacher das Theater eine gute Quelle für geübte Schauspieler darstellt, die bereit sind für Ruhm und Ehre allein an einem Film mitzuwirken. Das hab ich selber auch schon mehrfach geschrieben, ob nun hier oder in Einfach Filme machen, doch einen wichtigen Zusatzhinweis vergessen eigentlich alle immer zu geben: Film ist kein Theater.

Schauen wir kurz, was ich meine: Selbst bei einer kleinen Bühne sitzt der Zuschauer in der ersten Reihe vermutlich mehrere Meter von der Szenerie und damit den Schauspielern entfernt. Mehr noch, das „Bild“ im Theater wird naturgemäß immer in der Totalen präsentiert. Klar, oder?
Das bedeutet, dass Zuschauer in der letzten Reihe sogar auch mal ein Dutzend oder mehr Meter von der Bühne entfernt sitzen. Und dennoch sollen ja auch diese eine Chance haben, in den Genuss dessen zu kommen, was sich auf den Brettern, die die Welt bedeuten, abspielt. Daraus sind im Bereich Theater gleich eine ganze Reihe Konventionen entstanden, die man aus seinem Film lieber heraushalten will.

Bühnen-Make-Up

Habt ihr schon mal die Chance gehabt, mit den Schauspielern zu sprechen, wenn die gerade von der Bühne kommen? Wenn ja, dann werdet ihr vermutlich gemerkt haben, dass Bühnen-Make-Up dazu neigt, die Farben im Gesicht von Vampira im Vergleich als subtil nuancierte Schatten einzustufen. Das dient – nach der Vorrede sollte es klar sein – dazu, auch im grellen Bühnenlicht bis in die letzte Reihe hinein akzentuierte Gesichtszüge aufbieten zu können.
Natürlich ist das nützlich, aber nicht, wenn eure Film-Kamera statt 5 Meter nur 50cm von dem Gesicht entfernt steht. Solltet ihr also mit Theaterleuten zusammenarbeiten und diese anbieten, sich auch selber zu schminken … fragt mal nach.

Mimik und Gestik

Im Grunde gilt hier das gleiche Argument – wenn der Theaterzuschauer in der letzten Reihe dem Schauspieler im Gesicht die Trauer ansehen soll, muss der – sieht man es von Nahem – eine ziemliche Fratze ziehen. Was dann im Film bestenfalls an die Stummfilme der frühen 20er Jahre erinnert. Und die sind zwar wertvoll und teilweise erstaunlich gut, aber nicht gerade in diesem Punkt.

Stimmmodulation

Stimmmodulation (nur echt mit den drei ‚m’) ist in diesem Kontext vor allem ein schlaues Wort für Lautstärke. Selbst wenn der böse Schurke in Shakespeare’schen Drama beiseite flüstert, macht er das ziemlich laut. Das ist, wenn man kein gutes Mikrofon hat, sogar beim Film gar nicht mal verkehrt – aber es klingt halt einfach anders, als ein „echtes“ Flüstern es tun würde.
Genauso kommt, je nach Gewohnheit der jeweiligen Theatergruppe, der geneigte Schauspieler mit seinem sorgfältig antrainierten, klassischen Sprechrhythmus daher. Der klingt gut und macht Texte tatsächlich sehr verständlich – wer in seinem Film aber eine höhere Realitätsnähe anstrebt als dies auf Bühnen gemeinhin geboten wird, der sollte auch darauf Acht geben. Es klingt sicherlich anfangs hervorragend, mag aber im Nachhinein nicht das sein, was gesucht war.

Dennoch bieten Theaterschauspieler natürlich diverse Vorteile. So sind sie oft gewohnt, ohne Unterbrechung sehr lange Textpassagen zu sprechen und können so wesentlich flexibler drehen als etwa völlige Laien, die alle zwei Sätze ihr Blatt brauchen um zu schauen, wie der Text noch mal ging – und bevor sich jemand angesprochen fühlt, mir geht es da ganz ähnlich. Als ich für den Heuler JB4 drei Sätze in Folge sagen sollte, haben Markus und Ralf ziemlich leiden müssen, bis wir das im Kasten hatten.
Ich weiß schon, warum ich hinter der Kamera stehe.
Aber, und das ist die Lektion für heute, man sollte sich die Unterschiede bewusst vor Augen führen und die Stärken nutzen, ohne sich dabei das Leben unnötig zu erschweren. Denn Film ist halt eben doch kein Theater.

Viele Grüße,
Thomas

Eifelareas gute Ratschläge 11: CGI Miamia

Eisig wehte der Wind über die kleine, grasbewachsene Anhöhe. Die Wolken zogen über ihnen dahin als lieferten sie sich ein Rennen und die tiefstehende Sonne warf gelbes Licht auf die weiten Felder.
Der Kameramann stöhnte auf bei dem Blick durch das Objektiv.
„Der Shot ist super so, tolles Setting, Tiefenschärfe ist stimmig. Aber da hinten, auf dem Hügel, die Windräder, die werden nachher im Bild sein.“
Ein Stöhnen ging durch die Crew. Das würde den gesamten Drehtag vor Probleme stellen. Langsam stand der Postproduzent auf, zog seine Sonnenbrille aus und schaute gewitzt zu den anderen.
„Das machen wir digital“, sagte er. Und setzte die Brille wieder auf.

Hallo zusammen!

Okay, zugegeben, zur Hälfte heißt dieser Eintrag nur so, um die Anspielung auf den Titel „CSI Miami“ machen zu können, denn um Miami wird’s hier heute gar nicht gehen. Wohl aber um CGI.

„Computer generated images“, also kurz CGI, sind ja schon seit mehr als einem Jahrzehnt gewissermaßen die Grundlage nahezu aller moderner Effektarbeit. Auch im No-Budget-Filmbereich spielt es eine immer größere Rolle, macht es doch gerade auch Effekte aus den Kategorien möglich, die früher ohne großes Geld niemals denkbar gewesen wären – ob jetzt Matte Paintings oder Raumschiffe, die man früher noch als Modelle hätte bauen müssen.
Und natürlich ist CGI auch sonst an vielen Orten im Einsatz, wo man es gar nicht erahnen mag. Im weitesten Sinne fällt dann eben doch auch gerade eine Serie wie „CSI Miami“ in die Beispielliste, ob nun offensichtlich wie in den oftmals computergenerierten Ultra-Detailaufnahmen, oder aber auch einfach insgesamt in der Verstärkung des brennenden, gelben, grellen, heißen Looks des Serien-Ablegers.

Doch eine Sache verraten einem die meisten Leute nicht: CGI mag oftmals auf den ersten Blick kostengünstig sein, aber es ist dabei auch immer zeitintensiv. Ich weiß wovon ich da rede, hab ich doch während der Arbeiten an Xoro unzählige Hintergründe teilweise von Hand neu geformt, um Windräder, Getreidesilos, LKWs, Flugzeuge und Crewmitglieder zu entfernen. Eine Arbeit, die bei Hilde in weiten Teilen ganz entfällt, da wir unsere Drehorte mit größerer Bedacht ausgewählt haben.

Und daher ist mein guter Ratschlag auch nicht, wie vielleicht eingangs vermutet, dass man Szenen schon immer noch irgendwie am Computer wird retten können – sondern das Gegenteil: Greift nur dann zu CGI, wenn es unausweichlich nötig ist.
Das gilt gleichermaßen für Kosmetik wie hier in dem Beispiel, in dem halt Gegenstände der Moderne verschwinden mussten, um dem phantastischen Setting des Barbarenfilms gerecht zu werden. Aber auch bei expliziten Effekten sollte man sich immer fragen, ob es nicht vielleicht auch am Set geht.
So kommt es etwa auch, dass wir Morolds Kiste letztlich als Pyro-Effekt realisiert haben und nicht, wie in der ersten Planungsphase angedacht, auf digitalen Rauch zurückgegriffen haben.

CGI ist eine tolle Sache. Sie macht Filme möglich, die ohne den Einfluss von Computern völlig undenkbar gewesen sind, gerade auf dem NoBudget-Sektor. Aber oftmals wird gerade noch am Set übersehen, wie unglaublich viel Arbeit doch in diese Nachbearbeitungen dann nachher doch investiert werden muss.
Und deutlich mehr als nur eine Hand voll NoBudget-Filme haben ihre Drehphase unbeschadet überstanden, sind dann aber in der Postproduktion verstorben, weil die Arbeit, die man sich vorher unnötig aufgehalst hatte, ein Ausmaß erreichte, dem die Macher nicht mehr Herr werden konnten.

Daher unser guter Ratschlag: Wenn es irgendwie analog machbar ist, Pfoten weg vom CGI.

Viele Grüße,
Thomas

PS: Lange war es versprochen, nun ist es endlich soweit und „Eifelareas gute Ratschläge“ gehen in die zweite Runde. Die ersten zehn Beiträge zum Thema findet ihr hier im Blog; wenn alles klappt, gibt es den Nachschub jetzt wieder immer pünktlich zum Monatsanfang.

Eifelareas gute Ratschläge 10: Regeln sind zum Brechen da (aber Achtung!)

Hallo zusammen!

In den neun vergangenen Monaten habe ich mal mehr, mal weniger dogmatisch Regeln genannt, an die wir uns halten und die man als gute Ratschläge an andere Gruppen und Macher geben kann, um Filme zu drehen. Es gibt darüber hinaus noch weitere Regeln, viele weitere Regeln sogar, wenn man sich mit Film auseinandersetzt. Etwa die Bildachse, die man nie überschreiten darf. Oder ganz klassisch die Ansage, dass man vor eine Szene einen sog. ’establishing shot’ setzt, eine Totale oder etwas in der Art, um den Handlungsort der nächsten Szene zu etablieren und dem Zuschauer zu zeigen, wo er sich gerade befindet.
Doch gibt es eine grundlegende Sache zu beachten: Das sind alles keine Heilsbotschaften. Es gibt immer Situationen, es wird immer Momente geben, in denen es richtig ist, sich nicht an eine Regel zu halten.
Nehmen wir das mit diesen etablierenden Einstellungen mal als Beispiel. Generell ist die Ansage natürlich richtig. Oftmals sind solche Shots sogar mehr als nur eine Zweckmäßigkeit. Wenn etwa in dem ohnehin sehr empfehlenswerten „The International“ Wolfsburgs ‚Autostadt’ genutzt wird, um die technokratische Hochburg der IBBC darzustellen, dann ist das nicht einfach nur ein Hinweis für den Zuschauer, sondern ganz bewusst gewähltes, gestalterisches Element. Und die ausführlichen Aufnahmen von Harvard in „The Social Network“ sind zweifelsohne für alle, die Harvard aus eigener Erfahrung kennen, unglaublich wichtig um dem Film das Maß an Authentizität zu verleihen, das er braucht, um seine Geschichte zu erzählen – und sie sind nebenbei spannend, weil sie guerilla ohne Drehgenehmigung entstanden sind, aber das ist ein anderes Thema.

Interessant ist aber, dass es halt auch möglich ist, es ganz anders zu machen. Ich glaube ich erwähnte es schon mal, aber in der ersten Folge von „CSI NY“ wird da ein eleganter Kniff vollführt: Die erste Szene beginnt eher nahe am Geschehen, der Ort bleibt diffus. Dann tritt der Protagonist an den Fluss neben dem Fundort und es folgt ein Schnitt heraus aus der Szene, in eine Totale, in der sich der Fluss als der East River erweist und im Hintergrund New Yorks Skyline aufragt. Und diese Einstellung ist dann unglaublich wuchtvoll und hämmert geradezu das Setting und die ganze Stimmung der Serie auf den Zuschauer ein.
„24“ verzichtet sogar nahezu vollständig auf Establishing Shots. Und gerade das trägt zum hohen Tempo der Serie bei.

Aber es gibt eine Kehrseite der Medaille. Wenn ich eine Regel so oft breche, dass die Regelbrüche reicher an Zahl sind als die Fälle, in denen sich jemand an sie hält, dann funktioniert die Wirkung des Besonderen nicht mehr. Als die ersten Filme anfingen, ruhige Kamerabewegungen zugunsten einer wackeligen, eher an Dokumentationen erinnernden Kameraführung fallen zu lassen, war das neu, war das innovativ. Heute macht das jeder Film und selbst in Fernsehserien sieht man es an allen Ecken und Enden. Heute ist es fast schon wieder möglich, gezielt auf das Gegenteil zu setzen – „The Social Network“ ist da ein Beispiel, denn der Film ist schon fast irrsinnig traditionell inszeniert.
Wenn man einen Achsensprung einbaut, kann das ein Stilmittel sein. Wenn man dauernd Achsensprünge einbaut, wirkt es, als könne man es nicht richtig. Wenn ein Stilmittel vor fünf Jahren in einem Film die Welt bewegt hat, ist das kein Grund zur Annahme, dass das heute noch immer funktioniert.

Regeln und Konventionen sind immer ein gutes Mittel, „auf Nummer sicher zu gehen“. Wenn man sich nicht sicher ist, was man da tut, ist es immer besser, solides Handwerk abzuliefern als ein misslungenes Experiment. Wenn man umgekehrt ein Element hat, bei dem man sich mindestens intuitiv sicher ist, dass hier durch einen Bruch mit den Regeln ein Mehrwert entsteht, dass es den Film interessanter machen würde – dann ist „So macht man das aber nicht“ das denkbar schlechteste Argument, was einen davon abhalten sollte, seinen Film letztlich besser zu machen!

So viel zu unserer zehnten „Episode“ unserer guten Ratschläge – aber keine Sorge, da kommen noch mehr. Und morgen hab ich vermutlich auch direkt wieder was zu erzählen!
Aber dazu … morgen mehr.

Viele Grüße,
Thomas

Eifelareas gute Ratschläge 9: Mach den Film zu deiner Leidenschaft!

Hallo zusammen!

Ich sage ja immer mal wieder gerne, dass Filme viel Arbeit sind, zumindest, wenn man mit einem wenigstens rudimentären Anspruch ans Werk geht. Und hier nun liegt auch direkt der Hase im Pfeffer:
Wer sich anschickt, einen Film zu drehen, geht in gewisser Weise einen Pakt mit dem Werk ein. Der Pakt, das Bekenntnis, besagt, dass man willens ist, zu gottlosen Zeiten aufzustehen und/oder noch auf zu sein, um am Szenen zu arbeiten. Man wird am Set im Regen stehen. Wird Pannen überdauern müssen (sprachen wir ja letztes Mal drüber). Jeder wird mal warten müssen, jeder wird vielleicht mal gelangweilt, übermüdet oder zeitlich eigentlich viel zu gebunden sein – und dennoch steht man dann wieder am Set oder hockt tief in der Nacht, Capuccinos schlürfend vor dem Rechner. Warum?
Weil man den Film liebt. Weil man mit Herzblut dahinter steht und weil man den Punkt erreichen möchte, an dem dieses Magnum Opus in die Welt ziehen kann.
Wir haben für Hilde eine Produktionszeit von ungefähr zwei Jahren angesetzt; bei Xoro waren es nachher sogar rund fünf. Man braucht einen langen Atem dafür – und das heißt auch, dass man es nie so weit kommen lassen darf, dass man das Projekt nicht mehr sehen will.

Die "Hilde"-Pinnwand

Im Rahmen einer Amateur- bzw. NoBudget-Produktion ist auch nicht jeden Tag etwas daran zu tun – aber man muss im Grunde dazu bereit sein, an jedem Tag, an dem etwas anfällt, Energie dafür aufzuwenden. Direkt neben meinem Schreibtisch hängt eine Pinnwand mit Fotos, Notizen, Übersichten und Konzept-Material rund um Hilde. Jedes Mal wenn ich nach links schaue, schaue ich darauf – und ich mache es noch immer gerne.
Und anders sollte es meines Erachtens auch nicht sein.

Ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass eine engagierte Gruppe, in der sich jeder einbringt und immer zumindest jemand da ist, der gerade bei der Sache ist, auch funktioniert, selbst wenn niemand die ganze Zeit über bei der Sache ist. Ich bin ja auch nicht der einzige Aktivposten bei uns – ganz im Gegenteil, Hilde wäre ohne mein eifriges Team gar nicht möglich.
Aber wenn ihr euer Herzblut in den Film steckt, wenn Begeisterung, Kreativität, Einsatz- und manchmal auf Aufopferungswillen gleichermaßen auf Anschlag hoch sind, dann gibt das dem Film selbst auch eine ganz eigene, große Kraft. Und dann habt ihr auch direkt wieder etwas gefunden, was gerade euren Film aus der Masse heben kann. Die besten Filme wurden vermutlich von irren gemacht. Wie etwa bei „Blade Runner“, bei dem jedes Klingelschild in den riesigen Kulissen individuell beschriftet war. Aber das gilt nicht für die Masse, vieles wird auch (oder sogar vor allem) im kommerziellen Sektor „abgekurbelt“, wie man sagt.
Aber Leidenschaft bleibt spürbar, Leidenschaft überträgt sich auf den Zuschauer. Vielleicht fehlt es euch an Budget oder an Produktionsmitteln. Aber mit genug Leidenschaft werdet ihr dennoch euer Publikum finden. Und begeistern.

Viele Grüße,
Thomas

Eifelareas gute Ratschläge 8: Wenn die Kamera in die Schlucht stürzt

Hallo zusammen!

Jeder, der schon länger im Bereich Film aktiv ist – und da ist es vollkommen egal, ob nun No-, Lo- oder High-Budget – kommt eines Tages zu der Erkenntnis, dass ganz egal, wie gut man sich vorbereitet und wie narrensicher die ganze Planung scheint, dass dennoch letztlich irgendetwas garantiert schief gehen wird. Garantiert.
Aus unserer Erfahrung wären da zu nennen: Katastrophale Wolkenbrüche, Bänder die nach einem bombastischen Drehtag nicht mehr funktionieren, Darsteller die aus externen Gründen kurzfristig absagen müssen, Kern-Requisiten, die schlichtweg nicht am Set vorhanden sind, krankheitsbedingte Ausfälle und nicht richtig funktionierende On-Set-Effekte. Und mehr.

Aus dem Xoro-Fundus: Dort hinten, zwischen den Felsen, hätte der Ninja-Überfall gedreht werden sollen. Dann kam der Regen... (Alte Analog-Fotografie!)

Nun haben die obigen Beispiele aber im Grunde zwei Kategorien: Wenn etwa einige Tage vor dem Dreh eine Darstellerin oder ein Darsteller krankheitsbedingt absagt und so ein Dreh nicht stattfinden kann (so etwa bei Hilde bisher ein Mal geschehene), dann ist das sehr ärgerlich, aber dann kommt die Operation an dem Tag halt gar nicht ans Rollen.
Wenn aber am Set etwas pauschal nicht funktionieren will oder, noch schlimmer eigentlich, nach einem hervorragend gelaufenen Dreh daheim bemerkt wird, dass etwas kolossal nicht funktioniert hat, dann kommt man schnell ins Schleudern.
Und, ich sage mal ganz untergangs-prophetisch, das wird passieren, entweder früher oder später.

Was dann in Folge passiert, das ist es, woran ihr effektiv festmachen könnt, wie sehr ihr euch selber als Profi fühlen könnt. Ein Filmemacher mit einer RED One ist nicht automatisch ein guter Filmemacher, sondern er ist in erster Linie erst mal ein Typ mit einer RED One. Ein Profi ist kein Profi, weil er das geilste Equipment der Welt hat. Ein Profi ist Profi, weil er seinen Drehtag retten kann, auch wenn das geilste Equipment der Welt gerade kaputt gegangen ist.

Ein Profi ist ein Profi, nicht weil er den schönsten Drehort aller Zeiten hat, sondern weil er eine Idee hat, was er tun kann, wenn er am Morgen des Drehs feststellt, dass sein Drehort in der Nacht abgebrannt ist.

Nicht immer lassen sich ad hoc Probleme lösen. Im Urlaub erzählte ich Xoro-Regisseur Matthias noch, dass ich im Jahr 2010 insgesamt drei SD-Karten aufgrund technischer Defekte durchgejagt hätte. Lina, Hildes „Lyta“, fragte was man denn dann machen würde. Unser beider Antwort war: Improvisieren.
Als wir bei Xoro den zuvor erwähnten Bandausfall hatten und effektiv 50% unserer Aufnahmen von dem ursprünglich als ein Drehtag geplanten Endkampf des Filmes verloren waren, mussten wir halt einen neuen Drehtag ansetzen und nachdrehen. Wir schafften es effektiv, das jeweils mit anderen Drehs an der Location zu verknüpfen (etwa der Wald, durch den der Ninja läuft – der ist keine fünf Minuten von dort entfernt) und konnten somit eine zu große Explosion des Drehaufwands verhindern.
Als unser Lager-Platz für den nächtlichen Überfall im gleichen Film durch Regenfälle einfach weg war, haben wir einen neuen gesucht. Aber andererseits haben wir ja auch bekanntermaßen unsere größte Niederlage erlitten, als wir nach drei Ausfällen bei der Besetzung der männlichen Hauptrolle in Verfluchte Eifel letztlich das Handtuch geworfen haben.
Ich will da konsequent sein und sage: Für das Projekt waren wir damals auch einfach nicht gerüstet.

Zusammengefasst will ich diesen Artikel aber noch einmal in der wunderbaren Losung ausdrücken, die ich mir von Matthias entliehen habe:
Ein Profi ist kein Profi, weil er unter optimalen Bedingungen phantastisches Material produziert, sondern er ist ein Profi, weil er unter schrecklichen Bedingungen noch immer gutes Material produziert.

Viele Grüße,
Thomas

Eifelareas gute Ratschläge 7: Buletten-Time

Hallo zusammen!

Man kann, das wurde hinlänglich bewiesen, an einem NoBudget-Set im Grunde an allem sparen. Solange man eine Kamera da hat und Leute, die davor stehen und agieren, kann man im Grunde grundlegend einen Film drehen.
Es gibt jedoch eine Ressource, an der man niemals, niemals, niemals sparen darf – und das ist die Verpflegung am Set.

Fütterung der Raubtiere am Hilde-Set

Wer seine Leute nicht bezahlt – und wovon auch, ohne Budget – ist auf ihren guten Willen angewiesen. Dieser gute Wille ist, im Grunde ohne Ausnahme, immer auch an die gute Laune der Leute und die gute Stimmung am Drehort allgemein angewiesen. Und Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen.

Essen ist einer der stärksten Komfort-Generatoren, die wir haben. Selbst eine windige Anhöhe im fahlen Licht eines kühlen Frühsommertages verwandelt sich, wenigstens für ein kurzes Zeitfenster, in einen geselligen Ort, wenn man es schafft, den Leuten vielleicht eine Suppe oder ein Brötchen mit heißem Würstchen in die Hand zu drücken.
Tom, unsere Generalversorgungs-Geheimwaffe, besitzt einen kleinen Gaskocher und nutzt den tatkräftig an jedem unserer Hilde-Drehtage. Das geht so weit, dass ich schon von der Hauptdarstellerin Néomi gesagt bekommen habe, sie würde nie wieder ohne einen Tom drehen wollen.

Verdammt guter Kaffee. Und heiß.

Doch manchmal rettet das Essen einem sogar effektiv den Dreh. An einem der beiden schlimmsten Drehtage in der Geschichte unserer Gruppe – jenem, der das Ende von Verfluchte Eifel in Filmform eingeleitet hat – war es bitterkalt. Es war Herbst, es war nachts und unsere beiden Hauptdarstellerinnen hatten aufgrund des Arrangements nahezu keine Möglichkeit, sich aufzuwärmen.
Auch hier: Auftritt der Hühnersuppe. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass aus dem Film nichts wurde und Zyniker könnten fragen, was sie denn dann gebracht haben sollte. Aber wir haben das Projekt danach beendet – der Dreh selber hat funktioniert, obwohl jeder einzelne Beteiligte nervlich am Ende war. Aber die warme Suppe war wie ein „Reset“, noch mal eine Kraft-Dosis für den nächsten Schritt der Arbeit vor Ort.

Doch auch abseits solcher Extrembedingungen ist Nahrung extrem wichtig am Set. Ich empfehle dabei sowohl beim Essen wie auch bei den Getränken immer zweigleisig zu fahren. Beim Essen ist das einerseits etwas Nahrhaftes, eben Hühnersuppe, Brot, Wurst, irgendetwas, was wirklich satt macht. Und zum anderen etwas mit Zucker – Schokoriegel sind toll, wenn das Wetter es zulässt – einerseits, weil die meisten Leute gerne Schokolade mögen und andererseits, weil Zucker immer noch mal ein kleines, nützliches Aufputschmittel ist.
Bei den Getränken ist es ähnlich – Sprudel oder Tee, je nach Außentemperatur, weil es den Durst stillt, gut schmeckt und wirklich den Flüssigkeitshaushalt korrigiert, sowie Cola und Kaffee für zusätzliches Wohlbefinden und Noch-Mal-Energie-Tanken ebenfalls eine willkommene Bereicherung ist.
Energy Drinks … ja, auch, sind aber noch mal ein Thema für sich.

Alles in allem sei für heute die Botschaft: Verpflegung am Set macht eine Crew glücklich. Und eine glückliche Crew ist immer auch eine gute Crew.
Das gilt sogar ganz universell.

Viele Grüße,
Thomas